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09 December 2016

Die Kostbarkeit der Dinge am Rande

wird mir bewusst während ich das halbe Stündchen ausnütze, das die Wintersonne für die Atelierterrasse "eingeplant" hat. Ganz untätig will ich ja sowieso mitten im Arbeitstag nicht bleiben, also das stets griffbereite kleine Sizzenbücherl und den geliebten Lamy-Schulfüller zum winterlichen Sonnenbad mit rausgenommen. Fast hätte ich beides wieder weggepackt: außer dem wackeligen runden Blechtischchen, auf dem im Sommer Pflanzen wuchern und dem Nullachtfuffzehngitter gibt es nix, was zum Sklizzieren verführen könnte. Oder doch?


  
Die Überlagerung von gradlinigem Gitterwerk und Beplankung, von den Rundformen des Tischchen und von dem winterlichen Geästel des Buschwerks ist durchaus ein Bildanlass, aber bitteschön doch nicht in einer halben Stunde zu schaffen, bis die Verschattung mich wieder hineintreibt ins Atelier!




Aber da gibt es den alten Trick des Zeichnens von Negativformen, also das was man eigentlich zeichnen will, nämlich die Positivformen einfach auszulassen und sich auf das zu konzentrieren, was man garnicht zeichnen wollte, den Zwischenraum. Plötzlich geht alles viel geschwinder von der Hand, weil man nur noch unterschiedlich geformte Flächen wahrnimmt, die sich schnell "notieren" lassen und man sich nicht mehr abquählt mir gegenständlichen  Darstellungen von Tischplatten, Tischbeinen etc.vor Gitter- und Buschwerk.

Da die Urban Sketchers miteinander per Internet kommunizieren, ist ein bisserl  digitale Bildbearbeitung post festum  auch erlaubt. Zum Beispiel:



 
 CARTOON oder









NEGATIVE, was die Skizze fast zu einer "normalen" Positivzeichnung werden lässt. Während des Skizzierens hab ich natürlich dauernd an Morgenstern denken müssen.
Frohe Festzeit

Gershom von Schwarze
09.12.2016
PS
Der Lattenzaun
von Christian Morgenstern

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da –
und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum.
Ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.










05 December 2016

„Gefühlter“ Tourist in München






zu sein nach der Rückkehr vom Heimaturlaub in Israel hat auch sein Gutes. Als nicht-touristischer Münchner war ich jedenfalls noch nicht im Cuvilliés-Theater gewesen. Tja doch, die Rokoko-Perle der Münchner Residenz ist durchaus eine Reise wert, sogar eine noch weitere als meine. Das hat mir Miriam bestätigt, die gerade (wohl auch als „gefühlte“Touristin?) aus Marokko kam von ihrem Heimaturlaub.


Beim Dezembertreffen in der Münchner Residenz haben sich die Münchner Urban Sketchers geteilt. Die an unbeweglich stillsitzenden Modellen Interessierten wählten die Ausstellung der Großplastiken aus Bronze. Ich hatte beim Warten auf die Gruppe am ausgemachten Treffpunkt zum Aufwärmen (bei u-Null-Graden) so einen bronzenen Typen in der Feldherrnhalle skizziert (siehe erstes Blatt)und bereits die Nase voll davon.


Als frisch eingeflogener Tourist (außerdem vom alldienstäglichen Aktzeichnen mit lebendem Modell verwöhnt) entschied ich mich gegen die Bronzeplastiken und dafür, das Rokoko Opernhaus anzusteuern und siehe da bald hatte ich Gesellschaft im Schlepptau: Die Hälfte der Münchner USkler entschied sich auch fürs Rokoko.

Aber so einfach ging das natürlich nicht. Da gab es noch Hürden zu überwinden: Taschen oder ähnlich Behältnisse für Zeichenutensilien dürfen nicht mit hinein, außer einer ganz flachen Mappe fürs Papier. Also umfüllen: Art supply auch noch in die flache Mappe, die jetzt garnicht mehr flach war, was aber niemandem auffiel.

Dann Verhaltensmaßregeln: „Keine Ölfarben“!
Keine Ölfarben“, echoten wir mit Unschuldsmiene. Wäre sowieso niemandem im Traum eingefallen. Schließlich sind wir Zeichner.

Kein schlechtes Gewissen konnte verhindern, dass ich drinnen meinen geliebten Lamy Schulfüller zückte. Ist ja keine Ölfarbe. Das nasse Überlavieren mit Wasser und Pinsel (ganz ohne Ölfarbe ) hab ich für hinterher aufgeschoben. „To beat the system“ sollte man nicht übertreiben. Ohne nennenswert vom Aufsichtspersonal gestört zu werden konnte ich fast zwei Stunden zeichnen sogar einschließlich zeichnender Miriam (fast portraitähnlich).




Dann kam das Donnerwetter. Ohne Vorwarnung und aus nichtigem Grund: „Sie haben ja doch gemalt! Hier und hier und da, fünf, sechs, sieben Blätter voller farbiger Malerei!!!!!!!!!!!!!!!“

Wie soll ich in ihrer Berufsehre verletzten, wütenden AufsichtsbeamtInnen begreiflich machen, was ich meinen Sammlern und Kollegen kaum schlüssig erklären kann: Ich liebe es nun mal auf Blätter zu zeichnen und auf Leinwände zu malen, auf denen bereits Anderes gezeichnet oder gemalt war. Das Aufeinandertreffen in geplanter Zufälligkeit ganz unterschiedlicher Bildwelten erzählt eine überraschend neue Story über das Motiv, mit dem wir uns vor Ort zeichnend/malend auseinandersetzen.

Farbige Aktzeichnungen waren es diesmal, die ich vom letzten Dienstagabendakt in unserem Atelier mitgebracht hatte und mit der Rokoko-Schnörkelwelt des Cuvilliés Theaters zeichnend kombinieren wollte. Natürlich gab es danach große Versöhnung mit Skizzenbücher Durchblättern, „Be'ehrns uns bald wieder!“ etc. pp. Eigentlich kennen wir das ja. Jeden Winter, wenn wir uns zum Zeichnen in Museen treffen, gibt es diese Diskussionen, denn für Aufsichtsbeamte hat Zeichnen ausschließlich mit Bleistift und Radiergummi zu geschehen.

Gershom von Schwarze
05.12. 2016

UND HIER EINE SOLCHE UNBEHANDELTE AKTZEICHNUNG; DIE NOCH DARAUF WARTET MIT EINEM ANDEREN MOTIV ZUSAMMENZUTREFFEN, MIT EINEM RAUM, EINEM ARCHITEKTURDEETAIl EINER TOWNSCAPE UM ZUM URBAN SKETCHING ZU WERDEN.




06 November 2016

Des Einen Fernreise ist des anderen Heimaturlaub

 
Sorry, lange nichts gepostet. Dafür habe ich Israel mit dem Zeichenstift u n s i c h e r gemacht. U n s i c h e r hab ich mich allerdings nirgendwo gefühlt, was manchen Europäer verwundern mag. Nicht mal in dem zwar multiethnischen aber vorwiegend muslimisch-arabischen Kiez in Jaffa, wo meine Tochter Sarah mit ihrer Familie neben der Moschee wohnt.

Oft kommt der Imam sandalenbeschuht mit frommem Bart und wallender Djalabiah seine züchtig Hijab-verhüllte Mutter besuchen, die im Erdgeschoss unter meiner Familie wohnt. Wenn meine unreligiöse Tochter ihre streng muslimischen Nachbarin im Treppenhaus trifft, begrüßen sich die beiden Frauen Bussi-Bussi-mässig mit Wangenkuss und ratschen freundlich ein wenig miteinander so wie überall auf der Welt Nachbar(inne)n miteinander smalltalken. Kein Bisschen beleidigt bin ich, weil mir die fromme Muslima nicht die Hand reicht, sondern entschuldigend lächelnd mit der mir verweigerten Hand auf ihren Hidschab zeigt (von den Kolonialbriten blöd als Hijab transliteriert). Warum sollte ich ihr deswegen gram sein? Fromme Jüdinnen schütteln Männern auch nicht die Hand. In meiner Synagoge in München begrüße ich die Damen mit Kopfnicken und überlasse es ihnen, mir die Hand zu reichen oder auch nicht.
Schnell habe ich mich daran gewöhnt, dass die Wohnungstür den ganzen Tag offen steht und jede/r ein- und ausgehen kann. Dafür kann ich es mir im schattigen, offenen und luftig-kühlen Treppenhaus (draussen immer noch30 Grad) mit meinem Laptop gemütlich machen und arbeiten – ja und natürlich mit den Nachbarn ratschen, was dazu gehört.

Anders als im europäischeren Nord-Tel-Aviv wird auch das Auto nicht abgeschlossen – trotz Gepäck etc. „Wenn man Angst hat, passiert genau das, wovor man Angst hat“, belehrt Sarah ihren Vater (der offenbar schon viel zu lange in Europa gelebt hat). Schnell gewöhne ich mich an den melodischen Aufruf zum Gebet des elektronisch superverstärkten Muezzins, der sich mit dem bayrisch-anheimelnden Klang der Kircheglocken mischt.
Außerhaus habe ich in meinem Stamm-Café im Kiez mein mobiles Atelier aufgeschlagen, zeichne dort und schreibe, lese und denke nach. Die Wirtin (ich nenne sie jetzt mal Aisha -  natürlich heißt sie anders) liest mir jeden Wunsch von den Augen ab, und die Tagesrechnung ist lächerlich klein, obwohl Tel Aviv als eine der weltteuersten Städte gilt. Am Freitag Nachmittag hilft ihr eine Freundin beim wöchentlichen Großreinemachen. Die beiden Frauen plaudern in einem seltsamen Arabisch mit einander: Ihre Unterhaltung ist mit so vielen hebräischen Wörtern durchsetzt, dass ich fast alles verstehe. Es ist die „Geheimsprache“ eines Liebespaars, stellt sich heraus. Aisha, „schwarzes Schaf“ einer alteingesessenen, muslimischen Jaffa'er Familie hat ihren Clan gut erzogen. Es muss ein hartes Stück Arbeit gewesen sein. Aisha's Mutter, die auch zum Helfen kommt, küsst und umarmt die jüdische „Schwiegertochter“ liebevoll. Natürlich will sie mir auch demonstrieren, dass Ronit, Spross jüdischer Flüchtlinge aus dem Unabhängigkeitskrieg wirklich „dazugehört“. Das Liebespaar wohnt zusammen im jüdischen Rishon Lezion im Dunstkreis von Ronits Familie und feiert alle jüdischen und muslimischen Feste „streng kulinarisch“. Wie schön, dass man unter Autobomben, Messerattaken und Militärwillkür verborgen manches tröstlich Schöne finden kann, wenn man nur danach sucht, zum Beispiel in Jaffa der vier Jahrtausende alten Schmelztiegel-Stadt der Andromeda, von der Jonah (lutherverballhornt: Jonas)einst aufgebrochen war zu seiner missglückten Flucht nach Übersee.
Gershom von Schwarze
5.11.2016 Die Skizzen: Lamy Schulfüller überlaviert und Aquarell

18 June 2016

APRILHAFTES JUNIZEICHNEN

APRILHAFTES JUNIZEICHNEN IM HOFGARTENPAVILLON - BESSER GEHT'S GARNICHT

Der Hofgartenpavillon für das Treffen in diesem aprilhaften Juni war eine Superidee. Drohen Wolken ist man unter Dach und Fach, blendet die Sonne ebenfalls. Da viele Spaziergänger das auch finden und der Tangoschuppen eine lebhafte Akustik hat, gibt ein Solist dem nächsten die (nicht vorhandene) Klinke des türlosen Musentempels in die Hand um aufzuspielen. Publikum ist eh da. Sonntagsspaziergänger mit neuer Freundin haben den Geldbeutel lockerer sitzen als unter der Woche.  CD-Verkaufsgespräche der Solisten bedeuten keine Unterbrechung des Nachmittagskonzerts. Was von den Wänden so plastisch widerhallt, ist sowieso nur Musikkonserve, die der Solist hin und wieder akustisch kaum wahrnehmbar mit ausufernder Körpersprache begleitet.





Wo es derart intensiv menschelt kann man als Urban Sketcher garnicht anders sich des Themas Mensch und Umfeld anzunehmen, das im Allgemeinen bei USk-Outings etwas zu kurz kommt. Gern amal fressen die Menschenbilder in der Zeichnung ungebührlich viel Zeit. Die Köpfe geraten immer zu groß oder zu klein. Die Korrekturen bringen einen zur Verzweiflung. Letztendlich beim anschließenden Kaffeeklatsch will man doch was Gelungenes vorzeigen können.






Also hab ich mich mal um die Menschen gekümmert, diejenigen, die so tun als würden sie musizieren und diejenigen, die zuhören, andere, die anbandeln oder  jene, die begehrlich aus der geschlossenen Zweisamkeit des Sonntagsspaziergangs hinausblicken nach Einzelnen mit passenden Beutemerkmalen und wieder andere, die skizzieren...
( Federzeichnungen mit Lamy-Schulfüllern und den  sieben bei dem Label vorhandenen Farbpatronen überlaviert teils mit Wasser - der Nässegrad des Aquarellpinsels ist entscheidend - teis mit Ecoline Flüssigaquarellfarben).



Es war ein wunderbares Zeichnen. Die zwei Aperol Spritz beim Kaffeeklatsch haben mir selten so gut geschmeckt.






08 February 2016

...doch die einen schau'n nach innen / und die andern schau'n hinaus...

Im Münchner Jüdischen Museum am Jakobsplatz gibt es beides: den Blick nach innen zu den Inhalten des Museums und den Blick nach außen in die Münchner Stadtlandschaft. Letzteres für den Wintertermin Februar mit tief verschneitemPlatz, Dachlawinen, klirrender Kälte ein guter Plan: Nur der Winter hat nicht mitgespielt. Reines Vorfrühlingswetter.

Ansonstensonst war alles perfekt. Wer von den Zeichnern den Blick nach innen lenken wollte, konzentrierte sich auf die Inhalte in Ober- und Untergeschoss, andere setzten sich mit der Münchner Townscape auseinander und "diskutierten" zeichnend das Ensemble der unterschiedlichen Architekturen am Platz, wieder andere konzentrierten sich auf die Zeichnenden. Ein spannendes Zeichnen...

08 January 2016

SYLVESTER-BERLIN-TRIP 4: Mal sehen, ob bei der Rückfahrt...

...sich das Kloproblem durch rechtzeitigen Besuch desselben überlisten liesse. Weit gefehlt: Bei 10 Grad minus (wegen des Ostwinds gefühlte minus zwanzig) war das WC totaliter eingefroren und taute auch bis München (10 Grad plus) nicht wieder auf, jedenfalls nicht bis zu Benutzbarkeit. Dafür war die zierliche junge Busfahrerin super: Sie legte regelmässig und unaufgefordert diskrete Pausen ein und ging vor jeder Weiterfahrt mit der Passagierliste durch den Bus, um niemanden zurückzulassen.

Vor der Abfahrt schnell noch einen Capuccino in der kleinen Kaffeerösterei im Helmholtz-Kiez, die für die vielen tante-emma-laden-großen Kleinstgewerbe in Prenzlberg stehen mag, die den Charme des Bezirks ausmachen. Trotzdem fragt man

 
sich als im Kapitalismus aufgewachsener Wessi, wovon die ihre Miete zahlen. A propos Wessi: Ich weiß jetzt, wo das geheimnisvolle Flüstern hinterm Rücken herkommt, wenn man als Wessi an Ossis vorbei gehst. Der Spruch aus der Wendezeit hat für Ossis seine Aktualität nie eingebüßt:


Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm,
beim Wessi isses anderschtrum.

 

SILVESTER-BERLIN-TRIP 3: Abschied von ...

...MAISON COURAGE. Für viele liebe Menschen - nicht alle von Rang und Namen - war das "maison courage" von Marinchen und Toscho nur wenige Fußgängerminuten entfernt von der Prenzlberger Kulturbrauerei für viele Jahre die Erweiterung des Wohnzimmers schlechthin gewesen. Hier traf man sich verabredet oder rein zufällig, redete, las, schrieb, dachte nach, aß und trank, hing schweren Gedanken nach oder heiterte sich gegenseitig auf. Heimat halt - generationen- und zonen-übergreifend (ost- und west-). Kurz vor der Wende hatten Marinchen und Toscho auch "rübergemacht" in den Westen und waren - of all places - in Nürnberg gelandet, was sie nach der Wende (republik-)fluchtartig wieder verließen in Richtung ostdeutsche Heimat. Seitdem war Marinchens Leitspruch gewesen: "Im Westen nichts Neues". 
Einer der  Investoren der zweiten Nachwendegeneration (die Berliner nennen sie verächtlich "Schwaben" - warum weiß niemand) hatte das Haus gekauft, zu dem das "Courage" nicht mehr passen konnte. Zum Abschiedsfest wurde geklesmert, was das Zeug hielt. So was gegen zwei Uhr morgens zog ein stiller Herr hoch in den Siebzigern Marinchen einen ihrer Hochhackigen aus füllte ihn mit Prosekko und leerte ihn ihr zum Dank auf ihre Gesundheit.

(Fortsetzung folgt)
Gershom von Schwarze

(Lamy Schulfüller, farbige Tinten, teilweise überlaviert)



07 January 2016

SILVESTER-BERLIN-TRIP 3: Fernbusfreuden...


...verkürzen die Fahrzeit. 

Die junge Wisch-Süchtige unbekannter Nationalität und weder des Deutschen noch einer anderen bekannten Sprache mächtig verstand daher die Bitte des Fahrers nicht, im Bus zu bleiben. Sie stieg in Bayreuth aus eine leere Wasserflasche in der Hand, die sie wohl zu füllen wünschte und lies alles im Bus einschließlich Wisch-Phone. Den Fahrer zu Umkehr zu bewegen, als nach der Abfahrt ihr Handy immer noch allein auf dem Tisch lag, war nicht leicht.

Im Bus lässt es sich auch während der Fahrt USk-Manifest-getreu zeichnen: Alle Skizzen der Mitreisenden sind vor Ort entstanden und absolut portraitähnlich bis vielleicht der ältere Herr in der 2. Reihe am Mittelgang, der ein wenig zu alt geriet.

Bei längeren Busfahrten sollte man das Klo möglichst nur innerhalb der ersten 250 km aufsuchen. Ein Besuch bei km-Stand 450 zeigte einen Pegelstand der Schüsselüberfüllung von minus 3 cm (gemessen von Schüsselrand-Oberkannte).

(Fortsetzung folgt)
Gershom von Schwarze
(Lamy Schulfüller, verschieden farbige Tinte teilweise überlaviert) 

SILVESTER-BERLIN-TRIP 1: ein Glaserl Aperol spritz...

...in unserer Wohnzimmererweiterung, Aydins Taverna "YOL" am Röcklplatz. Nota bene: der erste von Aydin persönlich gemixte Aperol spritz; hatte er doch immer behauptet, so etwas könne er garnicht. 
(Fortsetzung folgt)
Gershom

(Lamy Schulfüller, schwarze Tinte, Aquarellkreiden. Aufs Überlavieren hab ich diesmal schweren Herzens verzichtet)

19 December 2015


als Kaiser Rotbart lobesam ins Heil'ge Land gezogen kam...




WEIHNACHTSMAKTSCHREIERISCHES
 kurz vor dem
WEIH-NUKKA-VESTER
Höhepunkt der Jahresendzeit

Weihnachtsmarkt-Tourismus als Folgeerscheinung fortschreitender Klimaerwärmung. Nachdem neuerdings nicht mal mehr der Kanonenschnee auf den Pisten liegen bleibt, sucht  das Gastgewerbe nach neuen start-ups für den kleinen Winterurlaub zwischendurch zur Jahresendzeit. Was früher mal der Nachschub-Versorgung für verschlissenen Baumschmuck und zu Butterbrotpapier entplissierten Rausch-Alu-Engeln diente wird mehr und mehr zu Ausflugsziel. Die verschiedenen Christkindl-Märkte, die zuweilen die christkindliche Reminiszenz garnicht mehr brauchen, wetteifern miteinander um den exotischsten Marktcharakter und das ungewöhnlichste Angebot. Aber nicht etwa in Rauschgold oder Naschwerk wird wettbewerbt sondern in Budenzauber, Speis und Trank ja soger in faschingsmässigen Kostümen der MarketenderInnen. Bewohner gößerer Städte wissen oft garnicht wieviel verschiedene Jahresendzeitmärkte unterschiedlichster Couleur sich da in Nischen und Parkbuchten  ihrer Stadt angesiedelt haben.

Letzte Woche - ich ging im Zentrum so für mich hin / und nichts zu suchen das war mein Sinn - überholte mich vor dem Café Luitpold (richtig, wir sprechen über München) ein Nikolaus im Stechschritt, überquerte schnell die Strasse und verschwand dort in einem Wirrwar von Verkaufsbuden. Nun sind Nikoläuse und Verkaufsbuden um diese Jahreszeit nichts Ungewöhnliches. Noch so ein Weihnachtsmäktle halt. Aber dieser Nikolaus war anders als die in den Wahrenhäusern: Bart und Haarmähne waren echt und angewachsen, Auf dem Kopf trug er nichts mehr und nichts weniger als die Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und sein mächtiger Leib war gegürtet mit einem erschröcklichen Schwert. Ich gting ihm nach und landete auf dem "Mittelalter Markt" zu Füssen eines majestätisch sein Fußvolk grüssenden Wittelsbachers, also auf dem Wittelsbacherplatz.

Einen Augenblick lang vergaß ich meinen Barbarossa und staunte. Außer dem Publikum alle in Verkleidung, als ob die Gewandmeisterin vom Gärtnerplatztheater ihren Kostümfundus entsorgt hätte: Marketenderinnen in wallenden Kapuzenmänteln und kleidsamen, Holz vor der Hütten betonenden Miedern schenkten heissen Met in handgefertigten Humpen aus (allein das Pfand 6,- €).  Ein Fischer räucherte beinahe frisch Gefangenes - (18- € ) natürlich im passenden Gewand. Ein Waffenschmied im stilgerechten Wams trat häufig aus seiner der Epoche stilistisch nachempfundenen Verkaufs-Bude um dem Publikum vorzuführen, dass er sich der Stil-Treue wegen in holländischen Lindenholz- "Klompe" Blasen lief. Was er feilzubieten hatte, bestätigte die Vermutung, dass Deutschland nicht erst seit vorgestern ein bedeutender Waffenexport-Standort gewesen ist.

Ja da kam auch mein Barbarossa. Jetzt nicht mehr eilig sondern gravitätisch patroullierte er die Verkaufsgassen des Maktes. Die Kaiserkrone war stilecht, das Schwert, der Purpurmantel über der weißen Tunika der Tempelritter nur sein Aufgabenbereich hatte sich moderni- und demokratisiert: Als  Zwitterwesen zwischen Dorfpolizist und Marktinspektor drehte er seine Runden und beaufsichtigte gerade wie ein dienstbarer Geist in Kapuzenwams mit einer langen handgeschmiedeten Zange brennende Flammschalen in die gespenglerten Halterungen der Marktbeleuchtung steckte.

Dieser Markt ist auf jeden Fall richtig ehrlich auf Weihnachtsmarkt-Tourismus zugeschnitten: Es gibt keinerlei  Hinweis auf Weihnachten what so ever.

Happy Weih-nukka-Vester und ein friedliches 2016 wünscht
Gershom von Schwarze
 

04 May 2015

DAS PITTORESKE IM ALLTÄGLICHEN von Gershom von Schwarze

DAS PITTORESKE IM ALLTÄGLICHEN

zu finden ist eine Herausforderung für Urban Sketcher - sonst würde man ja nur im Urlaub zeichnen, dort wo man nicht zu Hause ist. Ich hab mir das Thema mal vorgenommen: die ersten zwei Skizzen sind meine beiden Lieblingskaffeehäuser in Israel, das erste in Jerusalem, das zweite in Tel Aviv, vertraute Orte ohne jede Exotik. Im Nachhinein betrachtet, sagen die beiden Skizzen nicht nur Wesentliches aus über das unterschiedliche Ambiente beider Cafés sondern vor allem auch über die gegensätzlichen Charakteristika beider Städte: Der introvertierte Raum voller Bücher vs das hektische Strassencafé namens "the streets" so wie das übermässig heiligmässige Jerusalem sich von der hektischen Mittelmeermetropole absetzt, die laut Eigenwerbung niemals schlafen geht.

 Mit diesen 2 Skizzen hatte ich mein Thema im Fokus. Als nächstes kam die Auer Dult an die Reihe, ein mehrmals im Jahr stattfindender Trödelmarkt so münchnerisch-unexotisch wie der Schefflertanz am Marienplatz oder der Blick auf die Zugspitze bei Föhn. Und doch hat mir das zeichnerisch auf die Pirsch gehen soviel Spaß gemacht, wie ich ihn nicht besser hätte empfinden können beim zeichnerischen Ergründen atavistischer Initiationsriten eines bis dato unentdeckten Naturvolks (Skizze Nr. 3 - 5).

 Von da bis zu einem wirklich heidnischen Ritual, dem Fruchtbarkeitstanz um den Riesenphallus des Maibaums. Glücklicher Weise war der erste Mai derart verregnet, dass es wirklich nur die ganz hartgesottenen Mai- Enthusiasten waren, die mir vor den Zeichenstift kamen. Ich bilde mir ein, es kommt bei den Skizzen (Nr.6 -7) etwas rüber von dem heidnisch-vorkatholischen Atavismus eines in seiner Alltäglichkeit gewiss nicht exotisch anmutenden verregneten Feiertags.

Ich freute mich an meiner Ausbeute und zeigte sie nicht ohne Stolz meiner Frau Silvia Götz. Wortlos holte sie eine Blatt hervor aus der tiptop geordneten Sammlung ihrer Zeichnungen, das sie vor vielen Jahren gemacht hatte für ihre Bewerbungsmappe für die Akademie: Eine Steckdose in einer Wand mit Raufasertapete. Letztere war unglaublich perfekt gezeichnet in all ihrer Retrohässlichkeit, die doch vor gar nicht allzu langer Zeit noch als comme il faut gegolten hatte.

 Ich war beruhigt. Es hatten sich vor mir bereits Künstlerkollegen die verstiegene Aufgabe gestellt, zu ergründen, was es denn nun sein könnte.

Lieblingskaffeehaus in Israel
Lieblingskaffeehaus in Israel
Sketchcrawl Auer Dult
Sketchcrawl Auer Dult
Sketchcrawl Auer Dult
1.Mai Hans Mielich Platz
1. Mai Hans Mielich Platz