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08 January 2016

SYLVESTER-BERLIN-TRIP 4: Mal sehen, ob bei der Rückfahrt...

...sich das Kloproblem durch rechtzeitigen Besuch desselben überlisten liesse. Weit gefehlt: Bei 10 Grad minus (wegen des Ostwinds gefühlte minus zwanzig) war das WC totaliter eingefroren und taute auch bis München (10 Grad plus) nicht wieder auf, jedenfalls nicht bis zu Benutzbarkeit. Dafür war die zierliche junge Busfahrerin super: Sie legte regelmässig und unaufgefordert diskrete Pausen ein und ging vor jeder Weiterfahrt mit der Passagierliste durch den Bus, um niemanden zurückzulassen.

Vor der Abfahrt schnell noch einen Capuccino in der kleinen Kaffeerösterei im Helmholtz-Kiez, die für die vielen tante-emma-laden-großen Kleinstgewerbe in Prenzlberg stehen mag, die den Charme des Bezirks ausmachen. Trotzdem fragt man

 
sich als im Kapitalismus aufgewachsener Wessi, wovon die ihre Miete zahlen. A propos Wessi: Ich weiß jetzt, wo das geheimnisvolle Flüstern hinterm Rücken herkommt, wenn man als Wessi an Ossis vorbei gehst. Der Spruch aus der Wendezeit hat für Ossis seine Aktualität nie eingebüßt:


Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm,
beim Wessi isses anderschtrum.

 

SILVESTER-BERLIN-TRIP 3: Abschied von ...

...MAISON COURAGE. Für viele liebe Menschen - nicht alle von Rang und Namen - war das "maison courage" von Marinchen und Toscho nur wenige Fußgängerminuten entfernt von der Prenzlberger Kulturbrauerei für viele Jahre die Erweiterung des Wohnzimmers schlechthin gewesen. Hier traf man sich verabredet oder rein zufällig, redete, las, schrieb, dachte nach, aß und trank, hing schweren Gedanken nach oder heiterte sich gegenseitig auf. Heimat halt - generationen- und zonen-übergreifend (ost- und west-). Kurz vor der Wende hatten Marinchen und Toscho auch "rübergemacht" in den Westen und waren - of all places - in Nürnberg gelandet, was sie nach der Wende (republik-)fluchtartig wieder verließen in Richtung ostdeutsche Heimat. Seitdem war Marinchens Leitspruch gewesen: "Im Westen nichts Neues". 
Einer der  Investoren der zweiten Nachwendegeneration (die Berliner nennen sie verächtlich "Schwaben" - warum weiß niemand) hatte das Haus gekauft, zu dem das "Courage" nicht mehr passen konnte. Zum Abschiedsfest wurde geklesmert, was das Zeug hielt. So was gegen zwei Uhr morgens zog ein stiller Herr hoch in den Siebzigern Marinchen einen ihrer Hochhackigen aus füllte ihn mit Prosekko und leerte ihn ihr zum Dank auf ihre Gesundheit.

(Fortsetzung folgt)
Gershom von Schwarze

(Lamy Schulfüller, farbige Tinten, teilweise überlaviert)



07 January 2016

SILVESTER-BERLIN-TRIP 3: Fernbusfreuden...


...verkürzen die Fahrzeit. 

Die junge Wisch-Süchtige unbekannter Nationalität und weder des Deutschen noch einer anderen bekannten Sprache mächtig verstand daher die Bitte des Fahrers nicht, im Bus zu bleiben. Sie stieg in Bayreuth aus eine leere Wasserflasche in der Hand, die sie wohl zu füllen wünschte und lies alles im Bus einschließlich Wisch-Phone. Den Fahrer zu Umkehr zu bewegen, als nach der Abfahrt ihr Handy immer noch allein auf dem Tisch lag, war nicht leicht.

Im Bus lässt es sich auch während der Fahrt USk-Manifest-getreu zeichnen: Alle Skizzen der Mitreisenden sind vor Ort entstanden und absolut portraitähnlich bis vielleicht der ältere Herr in der 2. Reihe am Mittelgang, der ein wenig zu alt geriet.

Bei längeren Busfahrten sollte man das Klo möglichst nur innerhalb der ersten 250 km aufsuchen. Ein Besuch bei km-Stand 450 zeigte einen Pegelstand der Schüsselüberfüllung von minus 3 cm (gemessen von Schüsselrand-Oberkannte).

(Fortsetzung folgt)
Gershom von Schwarze
(Lamy Schulfüller, verschieden farbige Tinte teilweise überlaviert)