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15 June 2016

Tschaikowsky im Hofgarten / Juni '16

Sonntag nachmittag im Münchener Hofgarten. Seit Tagen regnet es ununterbrochen.
Just in den zwei Stunden, in denen sich die Zeichner rund um den Pavillon versammeln, lichten sich die grauen Regenwolken und lassen die Sonne durch. Müßiggänger wandeln durch die dampfenden Grünanlagen, untermalt von Paganini und Tschaikowsky. Vladimir Turchinsky im Hofgarten Pavillon

Blick auf den Eingang zum Hofgarten Der Hofgarten ist heute nicht nur Treffpunkt der Zeichner. Ein Violonist nutzt die gute Akustik des Dianatempels. Vladimir Turchinsky kommt aus Minsk. Er spiele in seiner russischen Heimat im Symphonieorchester, wispert mir die alte Dame zu, mit der ich den steinernen Sims als Sitzplatz teile.

Später sitzen wir bei einem Cappuccino im Tambosi. Durch Schirme vor dem wieder einsetzenden Regen geschützt entsteht noch eine Zeichnung vom Eingang zum Hofgarten.

Zeichner und Musiker

31 March 2016

Im Museum der Augsburger Puppenkiste / März '16

Zeichnung Marionette Akrobatin

Überraschend ist die Dunkelheit. Ich hatte Räume erwartet so hell und heiter wie die Geschichten der Augsburger Puppenkiste. Das Dämmerlicht des Museums lenkt die Aufmerksamkeit auf die unzähligen Bühnen-Inszenierungen, zwischen denen ich sentimental staundend umherwandere.

Ein ganzer Raum ist der Insel Titiwu gewidmet, auf der Professor Habakuk Tibatong seinen Tieren das Sprechen beibringt: Waran Wawa, der sich gerne in seine Mupfel verkrümelt, Vogel Schusch, Pinguin Ping mit der piepsigen Stimme und See-Fant, der, wenn er nicht gerade schläft, schwörmötig söngt. Und dann ist da natürlich die Hauptfigur: Urmel, das putzige Baby-Ungeheuer aus der Vorzeit.

Während des Zeichnens krabbeln Kinder zwischen meinen Füssen hindurch, um durch die tiefergelegenen Gucklöcher die Quallen zu sehen, die in der Strömung eines, sozusagen, Unterwasser-Ventilators wabern. Manche ihrer Fragen stoßen auf gravierende Bildungslücken. Wer von Euch ebenfalls in solch peinliche Situation geraten könnte, hat hier die Möglichkeit, wirklich wichtiges Wissen nachzuholen: https://youtu.be/YAMvVchSDIc.

Zeichnung Marionetten Urmel auf dem Eis
Wawa, Urmel, Schusch, Ping und See-Fant.
Vor Ort gezeichnet und später coloriert.

13 September 2015

Bürgerwind Berg / Aug '15

Im Sommer lassen die belaubten Bäume eine schmale Blickschneise von meinem Balkon auf den See und das gegenüberliegende Ufer von Berg.

Im Juli tauchen dort auf der Anhöhe eigenartige Baukräne auf. Im Verlauf mehrerer Wochen wachsen Türme aus dem Wald. Bald werden vier gigantische Windräder den Anblick des Starnberger Sees prägen.

An einem heißen August Nachmittag radle ich in den kühlen Wadlhauser Forst zur Baustelle.

25 June 2015

Talk in der Schauburg / Juni '15

Raul Krauthausen (Zeichnung: Patricia Rex)
Raul Krauthausen (Patricia)
Premiere der Fernseh-Talkshow „Krauthausen. face to face“: Raul Krauthausen spricht mit seinen Gästen über ungewohnte Herangehensweisen an Behinderungen.
Der Comedian Martin Fromme treibt Scherze mit seinem „appen Arm“ und Gisela Höhne gründete für ihren mit Down Syndrom geborenen Sohn das RambaZamba-Theater. Zwischen den Aufzeichnungen spielt das Duo „Blind & Lame“.

Wir sind als Zuschauer der ersten Fernsehaufzeichnung in die Münchener Schauburg eingeladen und haben natürlich unsere Skizzenbücher dabei.

„Ob es o.k. ist, jetzt zu zeichnen?“
„Die eine Kamera schaut her. Vielleicht nimmt die uns auf.“
„Dann sähe man uns ja später im Fernsehen zeichnen.“
„Ich mach's mal ganz unauffällig...“

Nachtrag November 2015:
Der ersten Teil der Talksendung ist unter https://vimeo.com/142502541 online zu sehen.

17 April 2015

Auf der Dachterrasse des Café Vorhölzer / April '15

Skizze
Das sonnige April-Treffen auf der Dachterrasse der Technischen Universität wurde schon stimmungsvoll von Jutta beschrieben.

Das Portal des Ägyptischen Museums ist ein wenig zur Wand der Filmhochschule gekippt - ups, vielleicht war das Niklas...

Rob kam beim anschließenden Beisammensein im Café Ella mit auf die Zeichnung und hat ihr dann mit seinem Markenzeichen, dem Leuchtstift, das Sahnehäubchen aufgesetzt.

05 April 2015

Niklas' Folgen / April '15

Ende März tost zwei Tage und Nächte lang ein Orkan mit dem Namen "Niklas". Auch in Starnberg sind Bäume auf die Bahngleise gestürzt. Gründonnerstag sind die Sägearbeiten zu hören. Karfreitag schleppt eine große Lok die auf einer Brücke liegengebliebene S-Bahn ab. Immer wieder fahren Wartungswägen die Strecke im Schritt-Tempo ab. Die Sonne scheint wieder, und es sind viele Spaziergänger unterwegs. Einige rufen den Bahnarbeitern freundliche Worte zu. Heute, am Ostersonntag, ruht immer noch der gesamte Fernverkehr nach Süden.

31 March 2015

Werdenfelsener Fosanacht / Feb '15

Fasching 2015 betreibe ich vergnügliche Brauchtums-Studien im Werdenfelsener Land. Das "Grungln" spielt sich wetterbedingt eher in den Häusern ab: Maskierte, die "Maschkeras", ziehen an bestimmten Tagen musizierend und Schabernack treibend von Haus zu Haus - früher von Hof zu Hof, heute eher durch die Wirtshäuser. Das ist gut zu wissen, denn es kann vorkommen, dass kein Maskierter weit und breit zu sehen ist. Schaut man aber in die richtigen Wirtschaften, geht es dort heiß her.

Im Süden des Werdenfelser Landes, in Mittenwald, findet der Fasnachts-Höhepunkt am "Unsinnigen Donnerstag" statt. An diesem Tag stolzieren und tanzen ab dem Zwölfuhrläuten skurrile Gestalten durch die Ortschaft. Neben den Schellenrührern, die mit rythmischem Hopsen die Ochsenschellen an ihren Rücken zum Klingen bringen, gibt es vielerlei Figuren wie den Bärentreiber mit einem zähnefletschenden Bären an der Leine, bunte "Fleckler", die Peitschen knallen oder auch ("A Schnäpsle, dann zeichnet sich's noch besser") für Aufwärmung sorgen, die "Jacklschutzer", die mit einer Heuplane die Jackl-Puppe in die Höhe werfen oder die "Untersberger Mandl", Spottfiguren auf die kleinwüchsigen Bergleute.

Das Eigenartigste aber sind die "Muiradl" (Mühlräder): Sechzehn weiß gekleidete Männer mit buntem Pferdefliegenschutz als Gesichtsvermummung ziehen in rasantem Tempo einen Baumstamm durch die Straßen. Dadurch drehen sich zwei am Stamm befestigte Wagenräder, auf denen jeweils ein Pärchen Maschkeras sitzt. Sie müssen sich mit großer Kraft festhalten, um nicht davongeschleudert zu werden. Tatsächlich drängt sich irgendwann ein Krankenwagen durch das Treiben, und später steht da ein rauchender Bursche mit Rock und blutigem Arm. Hoffentlich hat sich sein Gegenstück beim rauhen Spaß nicht schlimmer verletzt! Dasgleiche gibt es auch in kleiner: mit fröhlich-lauten Kindergruppen, dort allerdings nur mit Puppen auf den Rädern.

Um zu verschleiern, wer sich dahinter verbirgt, vertauschen die Burschen ihre Holzlarven untereinander und verstellen ihre Stimmen zu einem heiseren Krächzen. Erkennen lässt sich aber, aus welcher Ortschaft der Maschkera kommt: Die Mittenwalder Larven sind grimmig-starr und haben weit aufgerissenen Augen. Die Murnauer Masken dagegen sind individueller, oft mit lachenden Gesichtern.

Es ist reizvoll und schwierig, die umtriebigen Gestalten mit dem Zeichenstift einzufangen, dabei den teuflischen Goaßbock im Auge zu behalten, der sich immer wieder Opfer unter den Zuschauern ausguckt, und den Wasserspritzern auszuweichen, damit das Skizzenbuch nicht ungewollt aqua-relliert wird.
Man müsste meinen, an solchen Tagen nicht sonderlich aufzufallen. Die Figur des Urban Sketchers scheint im Werdenfelser Land jedoch unbekannt zu sein. Eine Verkleidung als Geheimagent wäre vielleicht hilfreich gewesen. Immer wieder bauen sich Neugierige vor mir auf, ich muss obacht geben, nicht versehentlich in die eine oder andere Nase zu pieksen, die plötzlich in meinem Skizzenbuch steckt, und von hinten wispert es "Was schreibt die da dauernd...?"

Drei Tage später fahre ich an einem eisigen Sonntag nach Murnau. Dort marschiert ein kleiner dekorativer Zug einmal die Altstadt hinauf und wieder hinab. Neben den mir schon bekannten gibt es auch neue Figuren zu sehen wie den Brezen-Angler oder würdevolle Gestalten mit ornamentalen Masken. Nach einem gefühlten viertel Stündchen verschwindet der gesamte Zug in einer Gastwirtschaft und lässt ratlose Passanten zurück ("War's das schon?"). Einige - mich eingeschlossen - würden gerne mit hinein in die Wirtsstube, aber die ist nun brechend voll. Nicht einmal stehend ist ein Eck zu finden wegen der Musikistrumente und der sperrigen Kostüme. Während drinnen die Musik angestimmt wird, bleibe ich noch vor einem kleinen Schaukasten mit Murnauer Holzlarven stehen, bis meine steifgefrorenen Finger und Füße nach hause wollen.

30 January 2015

Seepromenade Starnberg / Okt '14

Der Bayerische Löwe, der heute am Südende der Starnberger Seepromenade steht, befuhr vor 100 Jahren als Heckfigur des Dampfschiffes "Bavaria" den Starnberger See.
Die Zeichnung entsteht in den letzten schönen Spätherbst-Tagen. Kurz darauf ist der Löwe in sein winterliches Schutzkleid aus Holz eingehaust.
Daneben liegt der Münchener Ruder- und Segelverein, dessen lange Ruderboote auch an milden Wintertagen über den See gleiten.

29 January 2015

Südzucker in Plattling / Dez '14

Auf der Heimfahrt von einem Weihnachtsbesuch in Niederbayern fasziniert mich der Südzucker-Kamin, der im winterlich-tristen Abendlicht dampft. Bei der nächsten Abfahrt verlasse ich die Autobahn und zeichne ihn im warmen Auto sitzend.

Während der Zuckerrüben-Ernte werden in Plattling Tausende Tonnen Rüben zu weißem Zucker verarbeitet. Bis in den Januar hinein dampft der Kamin dann ohne Unterbrechung Tag und Nacht.

25 November 2014

Jam Session / Nov '14

Jam Session im Jazzclub Unterfahrt, Zeichnung Patricia Rex
Rob Zeers Vernissage im Jazzclub Unterfahrt. Die wundervollen Bilder unseres Sketcher-Kollegen sind eine atmosphärische Bereicherung für den Jazzkeller, dessen Schummerlicht ihre Farbkraft nur ahnen lässt.

Die anschließende Jam Session lässt sowohl das Musiker- wie auch das Sketcher-Herz höher schlagen. Jazzig cool oder ausdrucksstark bewegt laufen einem die Musiker beim Zeichnen trotzdem nicht weg und bieten ständig wechselnde Motive.

Robs Skizze derselben Szene:

Jam Session im Jazzclub Unterfahrt, Zeichnung Rob Zeer

06 November 2014

Schmetterlings-Wanderung / Okt '14

An einem sonnigen Spätherbst-Tag flattern zwei Schmetterlinge vor meinem Balkon auf und ab. Als ich hinausschaue, entdecke ich überrascht, dass es nicht nur zwei, sondern mindestens zwanzig an der Zahl sind, die sich auf Balkonen und Fenstersimsen verteilen: Admirale auf der Durchreise. Beim Versuch, dieses Phänomen zu fotografieren, merke ich, wie sowohl der Fotoapparat als auch meine Augen zwischen dem Fokussieren einzelner Tierchen und der gesamten Szene entscheiden müssen. Es ist nicht alleine eine Frage der Tiefenschärfe, sondern auch des Bewusstseins: Der Gesamteindruck aus Detail und Ganzem entsteht erst in der Vorstellung. Also hole ich das Skizzenbuch...

15 October 2014

Skizzen in der Münchener Glyptothek / Okt '14

Der Barberinische Faun (links) entstand 220 v. Chr. in Griechenland, die Zeichnung während des Oktober-Treffens der Urban Sketcher in der Münchener Glyptothek.