Im Frühling, nach Ostern, zum Zeichnen auf einen Friedhof gehen - klingt
etwas befremdlich, aber auf dem Alten Südfriedhof wurde es bei
herrlichem Wetter zu einem beeindruckenden Erlebnis.
Liebevoll geschmückt mit leuchtenden gelben und violetten Primeln: das Grab von
Carl Spitzweg;
gelernter Apotheker und als Künstler Autodidakt, der nie eine
Kunsthochschule besucht hatte, ist er einer der Urahnen der Cartoonisten
und Comic-Zeichner von heute. Der biedermeierlich-schlichte Grabstein ist ein Ersatzstück und
soll eine Apothekerflasche symbolisieren. Im Hintergrund auf der Bank
saß ein weiterer Urban Sketcher und zeichnete.
Zwischen den großen, zum Teil pompösen Grabmalen fiel mir diese kleine
Stele auf, deren Inschriften schon so verwittert waren, dass man sie
nicht mehr lesen konnte; nur der trauernde Engel war noch gut zu
erkennen.