05 December 2016

„Gefühlter“ Tourist in München






zu sein nach der Rückkehr vom Heimaturlaub in Israel hat auch sein Gutes. Als nicht-touristischer Münchner war ich jedenfalls noch nicht im Cuvilliés-Theater gewesen. Tja doch, die Rokoko-Perle der Münchner Residenz ist durchaus eine Reise wert, sogar eine noch weitere als meine. Das hat mir Miriam bestätigt, die gerade (wohl auch als „gefühlte“Touristin?) aus Marokko kam von ihrem Heimaturlaub.


Beim Dezembertreffen in der Münchner Residenz haben sich die Münchner Urban Sketchers geteilt. Die an unbeweglich stillsitzenden Modellen Interessierten wählten die Ausstellung der Großplastiken aus Bronze. Ich hatte beim Warten auf die Gruppe am ausgemachten Treffpunkt zum Aufwärmen (bei u-Null-Graden) so einen bronzenen Typen in der Feldherrnhalle skizziert (siehe erstes Blatt)und bereits die Nase voll davon.


Als frisch eingeflogener Tourist (außerdem vom alldienstäglichen Aktzeichnen mit lebendem Modell verwöhnt) entschied ich mich gegen die Bronzeplastiken und dafür, das Rokoko Opernhaus anzusteuern und siehe da bald hatte ich Gesellschaft im Schlepptau: Die Hälfte der Münchner USkler entschied sich auch fürs Rokoko.

Aber so einfach ging das natürlich nicht. Da gab es noch Hürden zu überwinden: Taschen oder ähnlich Behältnisse für Zeichenutensilien dürfen nicht mit hinein, außer einer ganz flachen Mappe fürs Papier. Also umfüllen: Art supply auch noch in die flache Mappe, die jetzt garnicht mehr flach war, was aber niemandem auffiel.

Dann Verhaltensmaßregeln: „Keine Ölfarben“!
Keine Ölfarben“, echoten wir mit Unschuldsmiene. Wäre sowieso niemandem im Traum eingefallen. Schließlich sind wir Zeichner.

Kein schlechtes Gewissen konnte verhindern, dass ich drinnen meinen geliebten Lamy Schulfüller zückte. Ist ja keine Ölfarbe. Das nasse Überlavieren mit Wasser und Pinsel (ganz ohne Ölfarbe ) hab ich für hinterher aufgeschoben. „To beat the system“ sollte man nicht übertreiben. Ohne nennenswert vom Aufsichtspersonal gestört zu werden konnte ich fast zwei Stunden zeichnen sogar einschließlich zeichnender Miriam (fast portraitähnlich).




Dann kam das Donnerwetter. Ohne Vorwarnung und aus nichtigem Grund: „Sie haben ja doch gemalt! Hier und hier und da, fünf, sechs, sieben Blätter voller farbiger Malerei!!!!!!!!!!!!!!!“

Wie soll ich in ihrer Berufsehre verletzten, wütenden AufsichtsbeamtInnen begreiflich machen, was ich meinen Sammlern und Kollegen kaum schlüssig erklären kann: Ich liebe es nun mal auf Blätter zu zeichnen und auf Leinwände zu malen, auf denen bereits Anderes gezeichnet oder gemalt war. Das Aufeinandertreffen in geplanter Zufälligkeit ganz unterschiedlicher Bildwelten erzählt eine überraschend neue Story über das Motiv, mit dem wir uns vor Ort zeichnend/malend auseinandersetzen.

Farbige Aktzeichnungen waren es diesmal, die ich vom letzten Dienstagabendakt in unserem Atelier mitgebracht hatte und mit der Rokoko-Schnörkelwelt des Cuvilliés Theaters zeichnend kombinieren wollte. Natürlich gab es danach große Versöhnung mit Skizzenbücher Durchblättern, „Be'ehrns uns bald wieder!“ etc. pp. Eigentlich kennen wir das ja. Jeden Winter, wenn wir uns zum Zeichnen in Museen treffen, gibt es diese Diskussionen, denn für Aufsichtsbeamte hat Zeichnen ausschließlich mit Bleistift und Radiergummi zu geschehen.

Gershom von Schwarze
05.12. 2016

UND HIER EINE SOLCHE UNBEHANDELTE AKTZEICHNUNG; DIE NOCH DARAUF WARTET MIT EINEM ANDEREN MOTIV ZUSAMMENZUTREFFEN, MIT EINEM RAUM, EINEM ARCHITEKTURDEETAIl EINER TOWNSCAPE UM ZUM URBAN SKETCHING ZU WERDEN.




2 comments:

  1. Sehr lustig, deine Erlebnisse mit den Aufsehern! Bleistift und Radiergummi, na gut, aber den Radiergummi sollte man prinzipiell weglassen. Mir ist schon mal in einem griechischen Museum das Zeichnen an sich verboten worden, was sagt man dazu. Da habt ihr ja noch Glück gehabt. Es war jedenfalls ein schöner Sketcher-Sonntag!

    ReplyDelete
  2. Ich mag Deine Geschichten zu den Bildern. Und die Idee die Aktbilder zu "umzeichnen" gefällt mir immer wieder sehr gut!

    ReplyDelete